Anteil und Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland

Ziel: 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035

Die Situation in der Ukraine ist der jüngste Beweis dafür, dass der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland nötig ist, um in der Energieversorgung unabhängiger und nachhaltiger zu werden. In den letzten Jahren stand beim Thema Wärme- und Stromerzeugung die Verringerung von Treibhausgasen und die Abbremsung des Klimawandels im Vordergrund. Durch die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen ist jedoch deutlich geworden, wie wichtig es für Deutschland ist, unabhängig von anderen Staaten den eigenen Energiebedarf zu decken. Aus diesem Grund hat sich die Bundesregierung Ende Februar das ambitionierte Ziel gesetzt, eine 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035 zu erreichen. Wie sich der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Maßnahmen zur Erfüllung der Ziele aus dem neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beitragen sollen, erfahren Sie hier.

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Welche erneuerbaren Energien gibt es?

Die wichtigsten Beispiele im Überblick

Windenergie

Bedeutende Rolle beim Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland

Beim Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland spielt die Windenergie eine zentrale Rolle. 2020 betrug der Anteil der Windenergie am Bruttostromverbrauch in Deutschland 23,7 Prozent. Zu dieser Zeit waren an Land Windenergieanlagen mit insgesamt 54,4 Gigawatt und Offshore Windanlagen mit 7,75 Gigawatt installiert, die zusammen etwa 131 Terawattstunden Strom produzierten. Gemäß EEG 2021 (Erneuerbare-Energien-Gesetz 2021) soll bis 2030 die installierte Leistung von Seeanlagen auf 20 GW und die der Windkraftanalgen an Land auf 71 GW gesteigert werden. Zu diesem Zweck wurden im Jahr 2020 im Rahmen des aktuellen EEG Gesetzes bedeutende Maßnahmen beschlossen. Beispielsweise wurde eine Regelung für die finanzielle Beteiligung von Kommunen eingeführt und ehrgeizige Ausbauziele für die Windenergie definiert. Zusätzlich enthält das EEG 2021 Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit der Windkraft u.a. mit den Navigationssystemen der zivilen Luftfahrt. Um Verzögerungen durch Rechtsstreitigkeiten über Genehmigungen möglichst zu verkürzen und den Ausbau der erneuerbaren Energie in Deutschland voranzutreiben, wurde außerdem das Investitionsbeschleunigungsgesetz eingeführt.

Sonnenenergie

Für eine kostengünstige Erzeugung erneuerbarer Energie

Zur direkten Umwandlung von Sonneneinstrahlung in Strom werden Photovoltaik Anlagen eingesetzt. Ende 2019 gab es in Deutschland über 1,6 Millionen Photovoltaikanlagen mit insgesamt etwa 47,5 Gigawatt Leistung. Somit war die Sonnenenergie nach der Windkraft für den zweitgrößten Anteil der erneuerbaren Energie verantwortlich. Und das nicht ohne Grund: Moderne Photovoltaik Anlagen zählen zu den kostengünstigsten Technologien für erneuerbare Energie. Neben der Umwandlung von Sonneneinstrahlung in Strom werden bestimmte Solaranlagen genutzt, um anhand von Sonnenenergie Warmwasser zu erzeugen oder Wärme für Industrieprozesse bereitzustellen.

Biomasse

Größter Anteil der erneuerbaren Energie für Wärme und im Verkehr

Als Biomasse werden alle Ressourcen bezeichnet, die ihre Energie durch den Vorgang der Photosynthese beim Pflanzenwachstum erhalten haben. Unter anderem Holzpellets, pflanzliches Treibgut, Biodiesel und Biogas fallen in diese Kategorie. Diese Ressourcen in gasförmiger, flüssiger oder fester Form werden zur Wärme- und Stromerzeugung sowie als Biokraftstoff eingesetzt. Dabei wird aus Biomasse fast 23% des nachhaltig produzierten Stroms hergestellt, 86% der erneuerbaren Energie für Wärme und Kälte und ganze 88% der regenerativen Energie im Verkehr.

Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix 2021 (in TWh) Statistik

Entwicklung erneuerbarer Energien in Deutschland zwischen 2019 – 2021

Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch (BEV)

Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch (PEV)

Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch (BSV)

Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtstromverbrauch (in %)

Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtwärmeverbrauch (in %)

Anteil erneuerbarer Energien im
Verkehr (in %)

Erklärung zum Rückgang der erneuerbaren Energie in Deutschland im Jahr 2021

Erhöhter Stromverbrauch und weniger Wind in 2021

Anhand der oben aufgeführten Statistiken ist zu erkennen, dass vom Jahr 2020 auf 2021 der Verbrauch von erneuerbarer Energie in Deutschland zurückgegangen ist. Laut AGEE-Stat hat auch im letzten Jahr die Stromerzeugung aus regenerativen Energien abgenommen. In 2020 wurden noch 250 Milliarden Kilowattstunden nachhaltiger Energie in Deutschland erzeugt. 2021 lag dieser Wert nur noch bei 237 Mrd. kWh. Es handelt sich also um einen Rückgang von ca. 5 Prozent innerhalb eines Jahres. Diese Entwicklung lässt sich zu einem großen Teil durch die Abnahme der Energieerzeugung aus Windkraftanlagen (um etwa 11 Prozent) erklären, da 2021 tatsächlich weniger Wind wehte als in 2020. Parallel stieg der gesamte Stromverbrauch in 2021 wieder an, da gegenüber dem Jahr 2020 die Auswirkungen der Corona Pandemie nachgelassen haben. Dies führte dazu, dass in diesem Zeitraum der Anteil des regenerativen Stroms insgesamt von 45,3 % auf etwa 42 % zurückgegangen ist.

Quelle: umweltbundesamt.de

Upstream-Emissionsminderungen im Verkehrssektor

Die positive Entwicklung von erneuerbaren Energien im Verkehrssektor in Deutschland von 2019 auf 2020 lässt sich anhand von zwei Faktoren erklären. Einerseits haben die Einschränkungen durch die Covid-19 Pandemie insgesamt zu einer Verringerung des Kraftstoffverbrauchs geführt. Gleichzeitig wurde im Jahr 2020 die gesetzlich verpflichtende Treibhausgasminderungsquote von vier Prozent auf sechs Prozent erhöht.

In 2021 blieb die Treibhausgasminderungsquote dann gleich. Der Rückgang der erneuerbaren Energien im Verkehr kann zum Teil durch Quotenübertragungsregelungen zwischen 2019 – 2021 erklärt werden. Außerdem durften Anbieter Upstream-Emissionsminderungen (UERs) zur Einhaltung der gesetzlichen Quote anrechnen. D.h. Treibhausgas Verminderungen, die erzielt werden, bevor der Raffinerierohstoff zu Kraftstoff weiterverarbeitet wird (z.B. bei der Gewinnung / dem Transport des Rohstoffes), werden bezüglich der Erfüllung der Treibhausgasminderungsquote mit berücksichtigt.

Quellen:

umweltbundesamt.de
zoll.de

Positive Entwicklung der erneuerbaren Wärme in Deutschland

Der seit den 90er Jahren steigende Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärmeerzeugung in Deutschland besteht zu fast drei Viertel aus Biomasse in Form von Holz und Holzprodukten. Vor allem private Haushalte sind für den Wärmeverbrauch verantwortlich. Solarthermie, Geothermie und Umweltwärme erzeugen zusammen insgesamt 14 Prozent der erneuerbaren Wärme. In 2021 erhöhte sich temperaturbedingt der erneuerbare Wärmeverbrauch um knapp 10 Prozent. Dieser Anstieg wurde zu einem großen Teil von biogenen Festbrennstoffen (wie zum Beispiel Holz / Holzpellets), Geothermie und Umweltwärme gedeckt.

Quelle: umweltbundesamt.de

Infrarotheizungen + Photovoltaik = Nachhaltig

Eine elektrische Infrarotheizung gepaart mit einer Photovoltaik Anlage bietet nachhaltige Wärme bei niedrigeren Kosten.

Entwicklung heizen mit erneuerbaren Energien in Deutschland
Infrarotheizungen im Shop
Photovoltaik Heizung Infos

Zielvorgaben zum Ausbau erneuerbarer Energien durch das EEG 2021

Das aktuell geltende Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG 2021 umfasst unter anderem folgende Ziele und Maßnahmen:

Maßnahmen bis 2030

Ausbau der Windenergie

Die installierte Leistung von Offshore-Windkraftanlagen soll auf 20 Gigawatt und die der Windenergieanlagen an Land auf 71 GW gesteigert werden.

Ausbau der Solarenergie

Die installierte Leistung von Solaranlagen soll auf 100 Gigawatt gesteigert werden.

Jährliches Monitoring

Das EEG 2021 schreibt ein jährliches
Monitoring vor, damit das Ziel für 2030
wirklich erreicht wird. So können rechtzeitig zusätzliche Maßnahmen getroffen werden.

100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035 - Ziele und Maßnahmen

Ist eine 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035 möglich?

Angesichts der Entwicklungen in der Ukraine und dem davon abgeleiteten Ziel, in der Energieversorgung unabhängiger zu werden, soll die Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien in Deutschland noch schneller erreicht werden. Plötzlich wird von einer 100% erneuerbaren Energieversorgung bis 2035 gesprochen. Ein neues Gesetzespaket zur Erreichung dieses ambitionierten Ziels hat die Bundesregierung Ende Februar 2022 schon entworfen. Hierbei handelt es sich um eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit unter anderem folgenden Maßnahmen:

  • Windkraft: Der neue EEG Entwurf sieht vor, dass bis 2030 auf dem Land Windkraftanlagen mit einer Leistung von 100 bis 110 Gigawatt vorhanden sein sollen, während auf dem Meer die installierte Kapazität auf 30 Gigawatt gesteigert werden soll.

  • Sonnenenergie: Statt der im EEG 2021 geplanten 100 Gigawatt sollen gemäß des neuen Gesetzesentwurfes bis 2030 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 200 Gigawatt errichtet worden sein. Die aktuelle Leistung soll also bis dahin vervierfacht werden.

  • Förderungen für Solaranlagen: Fördersätze für private Haushalte, die eine Solaranlage auf ihrem Dach installieren, sollen erhöht werden.

  • Abschaffung des Photovoltaik-Deckels: Den kontroversen “atmenden Deckel”, der bei starkem Marktwachstum eine Absenkung der Förderung für Photovoltaikanlagen vorsieht, soll es nicht mehr geben.

  • Förderung für Solaranlagen auf Äckern: Auch für die Installation von Solaranlagen auf Äckern soll es bald eine Förderung geben. Es ist geplant, dass die Äcker unter den Anlagen weiter bepflanzt werden.

  • Flächen für Solaranlagen: Die Bundesländer müssen die für Solaranlagen ausgewiesenen Flächen um ca. 9% erhöhen.

  • Bürgerprojekte: Bürgerprojekte für Wind- oder Solarparks (bis 18 Megawatt bzw. bis 6 Megawatt) sollen von Ausschreibungen ausgenommen werden, die darauf ausgerichtet sind, Ökostromanlagen zu einem möglichst niedrigen Fördersatz zu errichten.

Sind diese Ziele realistisch?
» Experten gegenüber tagesschau.de

Es ist durchaus realistisch, es ginge sogar noch mehr: Wir könnten bis 2030 100 Prozent Ökostrom bei der Stromerzeugung haben und bis 2035 die gesamte Energiewirtschaft auf Ökoenergie umgestellt haben.
Um das 80 Prozent-Ziel im Jahr 2030 zu erreichen, muss somit mindestens der gleiche Zuwachs wie in den letzten zwei Dekaden realisiert werden, also fast 40 Prozentpunkte – dies aber in weniger als der Hälfte der Zeit.

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